Was steckt dahinter?
Oft beschäftigen uns Fragen, auf die wir einfach keine wirkliche Antwort finden. Denn hinter dem, was uns beschäftigt, steckt nicht immer das, was wir zunächst vermuten. Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Warum bin ich unzufrieden, obwohl mir eigentlich nichts fehlt?
Dass nach außen alles stimmt, bedeutet nicht automatisch, dass sich dein Leben auch für dich richtig anfühlt.
Wenn eine Frau mit dieser Frage zu mir kommt, interessiert mich zunächst:
„Worüber machst du dir aktuell die meisten Gedanken?“
Denn dort findet sich häufig eine erste Spur.
Hinter einer allgemeinen Unzufriedenheit kann etwas ganz anderes liegen, als wir zunächst vermuten. Vielleicht übernimmst du seit Jahren Verantwortung, bist für andere da und hast dich daran gewöhnt, deine eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen.
Das funktioniert oft erstaunlich lange. Bis irgendwann dieses schwer greifbare Gefühl entsteht: Eigentlich müsste ich zufrieden sein – aber ich bin es nicht.
Für mich ist diese Unzufriedenheit deshalb nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass du dein Leben komplett verändern musst. Sie kann ein Hinweis darauf sein, dass du selbst darin zu wenig Raum bekommen hast.
Warum weiß ich nicht mehr, was ich wirklich will?
Viele Frauen können sehr genau sagen, was sie nicht mehr wollen. Schwieriger wird die Frage: Was willst du stattdessen?
Wenn du über viele Jahre vor allem darauf geschaut hast, was notwendig ist, was andere brauchen oder was von dir erwartet wird, kann die eigene Stimme mit der Zeit immer leiser werden.
Und dann passiert häufig etwas Interessantes: Je unsicherer du wirst, desto mehr fragst du andere nach ihrer Meinung. Was würdest du tun? Was hältst du für richtig? Was würdest du mir raten?
Damit kommen immer mehr Stimmen hinzu – nur die eigene wird dadurch nicht klarer.
Eine Frage spielt deshalb in meiner Arbeit eine wichtige Rolle:
„Was ist für dich richtig?“
Denn dein eigenes Wollen ist nicht einfach verschwunden. Möglicherweise hast du nur sehr lange den Stimmen anderer mehr vertraut als deiner eigenen.
Warum lasse ich mich so stark von anderen beeinflussen?
Du weißt eigentlich, was du möchtest. Dann äußert jemand seine Meinung – und plötzlich beginnst du, an deiner eigenen Entscheidung zu zweifeln.
Hinterher ärgerst du dich. Über den anderen, weil du dich nicht gesehen oder ernst genommen fühlst. Und über dich selbst, weil du wieder nachgegeben hast.
Für mich liegt genau darin ein wichtiger Punkt: Beeinflussung beginnt nicht immer beim anderen. Sie kann dort beginnen, wo du der Wahrnehmung eines anderen mehr vertraust als deiner eigenen.
Das geschieht häufig so selbstverständlich, dass wir es selbst kaum bemerken. Gerade wenn wir lange gelernt haben, Rücksicht zu nehmen, Konflikte zu vermeiden oder die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen.
Deshalb geht es für mich nicht nur darum, sich „besser durchzusetzen“.
Viel entscheidender ist zu erkennen, warum die Stimme eines anderen in bestimmten Momenten mehr Gewicht bekommt als deine eigene.
Denn genau dort kann etwas liegen, das dich schon sehr viel länger begleitet als die Situation, über die du dich gerade ärgerst.
Warum fällt es mir so schwer, Entscheidungen für mich zu treffen?
Im Beruf triffst du Entscheidungen, übernimmst Verantwortung und weißt oft sehr genau, was zu tun ist. Doch sobald es um dein eigenes Leben geht, wird es plötzlich schwierig. Du wägest ab, denkst immer wieder darüber nach und kommst trotzdem zu keinem klaren Ergebnis.
Dann geht es für mich häufig gar nicht mehr nur um die Entscheidung selbst.
Interessanter ist, was die Vorstellung einer falschen Entscheidung in dir auslöst.
Was könnte passieren, wenn du dich anders entscheidest? Was macht dir daran Angst? Und welche Bedeutung hätte es für dich, wenn sich deine Entscheidung später tatsächlich als falsch herausstellt?
Spätestens an diesem Punkt sind wir häufig bei einem tieferen Thema angekommen.
Denn manchmal fehlt einer Frau nicht die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Etwas in ihr macht es nur sehr schwer, die möglichen Konsequenzen einer eigenen Entscheidung auszuhalten.
Und genau dort würde ich genauer hinschauen.
Warum sage ich Ja, obwohl ich eigentlich Nein meine?
Im Grunde spürst du in diesem Moment schon, dass du Nein sagen möchtest. Und trotzdem hörst du dich Ja sagen.
Hinterher ärgerst du dich – häufig weniger über den anderen als über dich selbst: Warum habe ich schon wieder nicht auf mich gehört?
Für mich ist dann interessant, ob dieses Verhalten nur in bestimmten Situationen auftaucht oder dich schon sehr lange begleitet.
Denn ein schnelles Ja kann mehr sein als die Schwierigkeit, Nein zu sagen. Dahinter kann z.B. ein Muster liegen, das irgendwann ganz selbstverständlich geworden ist und dich heute noch beeinflusst.
Dann ist das eigentliche Thema nicht das Nein-Sagen. Sondern das, was dich immer wieder Ja sagen lässt.
Warum lande ich immer wieder in denselben Situationen?
Andere Menschen, andere Umstände – und trotzdem kennst du dieses Gefühl: Am Ende bin ich wieder genau am selben Punkt.
Das kann frustrierend sein. Besonders wenn du längst erkannt hast, dass sich etwas wiederholt, und dir vorgenommen hast, dass es diesmal anders wird.
Für mich ist dann weniger entscheidend, was im Außen immer wieder passiert. Interessanter ist, was diese Situationen in dir auslösen.
Manchmal fällt dabei ein einziges Wort, bei dem ich hellhörig werde. Zum Beispiel: machtlos.
Denn solche Worte können eine Spur zu etwas sein, das viel tiefer liegt als die aktuelle Situation.
Wenn sich bestimmte Situationen in deinem Leben wiederholen, ist deshalb für mich nicht nur die Frage: Warum passiert mir das immer wieder? Sondern: Was in mir führt mich immer wieder an diesen Punkt?